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Huawei Ascend Mate 7: Das Edel-Phablet und die neue EMUI-3.0-Software im ausführlichen Testbericht

Auf der IFA 2014 hat Huawei, wie schon zu erwarten gewesen ist, das Ascend Mate 7 vorgestellt: Mit einem 6 Zoll in der Diagonalen messenden Full HD-Display ordnet es sich in die Riege der Phablets ein und soll durch das edel anmutende Aluminium-Gehäuse, gute Spezifikationen und interessanten Features wie dem Fingerabdrucksensor die Kunden zum Kauf bewegen. Eigentlich soll das Gerät erst im Verlaufe des dritten Quartals zum Preis ab 499 Euro auf den Markt kommen, doch konnten wir bereits ein Vorserienmodell einem Test unterziehen. Das Resümee: Zwar kann das Ascend Mate 7 in vielen Belangen überzeugen, jedoch sollte Huawei bis zur Markteinführung an einigen Stellen noch etwas feilen, möchte man wirklich wie angekündigt den Sturm auf die Spitze der Smartphone-Hersteller wagen. Dass man dies aber schaffen könnte, beweist das Ascend Mate ebenso durch die Hardware, vor allen Dingen aber auch durch die durchdachte Software.

Die Spezifikationen – Überzeugende Gleichung mit einer Unbekannten

Das Ascend Mate 7 positioniert sich anders als sein Vorgänger im High-End-Segment, sodass der Hersteller im Prinzip an keiner Stelle gespart hat. Nur der Kirin 925-SoC stellt einen fraglichen Faktor dar: Man beharrt darauf, den „schweren Weg an die Spitze“ zu gehen, wie man selbst sagt und verzichtet daher auf den Einsatz von Prozessoren anderer Hersteller. Das hat in der Vergangenheit bei so manchem Gerät zu einer eher suboptimalen Performance geführt, sodass die Frage danach, wie leistungsfähig der SoC von Huawei wirklich ist, nicht unbegründet ist. Zunächst aber alle wichtigen Spezifikationen des Gerätes in der Übersicht:

  • Display: 6 Zoll, 1.920 x 1080 Pixel, JDI Nega-Neo-Technologie. 1500:1 Kontrast
  • Software: Android 4.4.2 KitKat mit EMUI 3.0
  • Prozessor: Kirin 925 Octa-Core-SoC (8+1)
  • Arbeitsspeicher: 2 GB RAM (Goldene Version: 3 GB RAM)
  • Interner Speicher: 16 GB (Goldene Version: 32 GB) – erweiterbar via microSD
  • Kamera: 13 Megapixel auf der Rückseite, Sony 4th Gen BSI-Sensor, f/2.0 Blende. Frontkamera: 5 Megapixel Weitwinkel
  • Akku: 4.100 mAh
  • Konnektivität: LTE Cat6, bis zu 300 Mbps
  • Abmessungen: 81 x 157 x 7,9 Millimeter
  • Gewicht: 185 Gramm
  • Preis: 499 Euro (Schwarz/Silber), 599 Euro (Gold)

Design und Verarbeitung: Edel, nicht immer bis ins Detail durchdacht 

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It’s all about the details, so hieß es bei der Pressekonferenz zum Ascend Mate 7 und tatsächlich hat sich Huawei alle Mühe gegeben, dem Ascend Mate 7 ein echtes High End-Feeling zukommen zu lassen. Das beginnt bereits beim Design der Verpackung, welche sehr schlicht und hochwertig daherkommt. Einzig seltsam mutet es an, dass die goldenen Akzente nicht zur uns vorliegenden silbernen Variante passen mag, wobei dies wohl durch den Vorserienstatus – ersichtlich an einem Aufdruck am Rahmen des Ascend Mate 7 – zu erklären ist.

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Das Gerät selbst besitzt ein Gehäuse weitgehend bestehend aus Aluminium – lediglich oben und unten ist auf der Rückseite jeweils ein Streifen Kunststoff zu finden, der wohl die Antennen beherbergt – optisch nicht ganz so gelungen gelöst, denn nicht nur auf der Rückseite, sondern auch am Rahmen unterbricht Kunststoff plötzlich das ansprechende Metall. Die Haptik erinnert ebenso wie die Optik an das HTC One Max, allerdings gibt es einige Kritikpunkte anzumerken, wenn man sehr kleinlich ist. Zunächst einmal ist die Power-Taste mit einem geschliffenen Muster versehen, der direkt daneben liegende Lautstärke-Regler allerdings nicht, was etwas unfertig aussieht.

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Außerdem ist der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite nur durch eine Mulde gekennzeichnet und besitzt ansonsten die gleiche Struktur wie der Rest der Rückseite, wohingegen die Kamera mit Chrom-Umrandung hervorgehoben ist, was etwas inkonsistent aussieht. Überhaupt ist es bei der silbernen Variante so, dass mangels Akzentuierung ein wenig Laborstimmung aufkommt und man durchaus das Gefühl haben könnte, einen Prototypen vor sich liegen zu haben. Die Oberfläche ist zudem nicht sonderlich resistent gegen Kratzer, aber das war zu erwarten. Zudem hätte das Kamera-Design des HTC One M8 mit runden Kameraöffnungen und den durchgehenden Linien eigentlich besser zur Software des Ascend Mate 7 gepasst, doch dazu später mehr.

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Während die optische Aufmachung im Detail kritisiert werden kann, ist die Verarbeitung und die Materialwahl als ganzes definitiv über jeden Zweifel erhaben. Der leicht abgerundete Aluminium-Unibody fühlt sich großartig robust an, der Rahmen wirkt durch die geschliffenen Kanten – iPhone-Nutzer werden es kennen – als schicker Hingucker und das Gewicht ist zwar alles andere als gering, verleiht dem Gerät aber eine hohe Wertigkeit. Obendrein besitzt das Smartphone relativ schlanke Rahmen um das Display mit einer Dicke von 2,8 Millimetern. Damit kommt das Gerät auf ein rekordverdächtiges Verhältnis zwischen Display und Gehäusegröße von 83 Prozent – im direkten Vergleich mit dem LG G2, wo das Display 75 Prozent einnimmt, wirkt der Rahmen aber proportional nicht unbedingt schlanker.

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Das Gerät selbst ist mit 8 Millimetern definitiv wohlgeformt und schlank, wobei der Eindruck durch die leicht gewölbte Form noch verstärkt wird. MicroSD- und SIM-Karte werden durch Einschübe am Rahmen oben links eingeführt, beide Schlitten bestehen ebenfalls vollständig aus Aluminium und sitzen bombenfest im Gehäuse. Auch die beiden einzigen Hardwaretasten für Power und Lautstärke sitzen fest an ihrer Position, Spaltmaße, Unregelmäßigkeiten oder überhaupt irgendwelche Unfeinheiten bei der Verarbeitung sind nicht existent. Das ist bemerkenswert und wurde von Richard Yu, CEO von Huawei durch die hervorragende Qualitätssicherung – angeblich gar industrieführend – bei Huawei erklärt. Staub unter dem Display, tote Pixel, übermäßiges Lightbleed (nur bei absoluter Dunkelheit bei komplett schwarzem Display ist am Rand etwas zu erkennen, also völlig unerheblich im Alltag) und sonstige Probleme sind bei dem uns vorliegenden Ascend Mate 7 jedenfalls nicht zu sehen, wodurch wir dem Phablet insgesamt eine sehr gute Verarbeitung und ein ansehnliches Design attestieren können. Es hapert jedoch an der Feinabstimmung des Gehäuse-Designs – Geräte wie das OnePlus One oder gar das hauseigene Ascend P7 wirken durchdachter und stimmiger, was aber letzten Endes auch Geschmackssache ist.

Das Display – Stimmige Wiedergabe ohne Überraschungen

Was das Display angeht, sind die Nutzer aktueller Smartphones mittlerweile ziemlich verwöhnt – in Sachen Farbwiedergabe und Blickwinkeln sind die Panels aktueller Smartphones allesamt auf einem sehr hohen Niveau und auch das Huawei Ascend Mate 7 enttäuscht in dieser Hinsicht nicht. Im Vergleich mit dem LG G2 mit 423 ppi und dem OnePlus One mit 400 ppi ist das Ascend Mate mit 367 ppi zwar auf dem Papier etwas abgeschlagen, doch in der Praxis lassen sich kaum Unterschiede in der Schärfe erkennen – lediglich im direkten Vergleich und bei entsprechenden hochauflösenden Motiven mit vielen Details wirkt das Mate 7 minimal unschärfer, ähnlich wie Full HD-Displays im Vergleich zu WQHD-Screens jenseits 500 ppi. Man sieht den Unterschied also nur in einigen Szenarien. Ein Grund zur Beanstandung ist dies dementsprechend keineswegs, zumal die Helligkeit und Kontraste als gut zu bezeichnen sind. Allerdings muss man beim Einsatz draußen schon auf 100 Prozent aufdrehen, um überhaupt etwas erkennen zu können – es scheint so, als würde die Helligkeit ab 80 Prozent recht rapide abnehmen, was etwa beim OnePlus One nicht der Fall ist und auch bei maximaler Helligkeit ist das Gerät nicht überragend hell. Geschützt wird die LCD-Einheit durch Corning Gorilla Glas und ist somit überaus beständig gegen Kratzer.

Die Farbwiedergabe könnte für den einen oder anderen etwas zu gelbstichig sein, anscheinend eine Kalibrierung, die viele asiatische Hersteller verwenden und auch beim OnePlus One für Ärger sorgte. Das Display lässt sich aber in den Einstellungen in der Farbtemperatur anpassen – stellt man diese etwas kühler ein, wirkt Weiß wie gewohnt deutlich kälter und für manche optisch ansprechender. Im Vergleich zu dem Display-Einstellungsmöglichkeiten des OnePlus One fällt die Regelung der Farbkalibrierung beim Ascend Mate 7 deutlich unkomplizierter aus – beim Flaggschiff des Konkurrenten gibt es zwar mehr Möglichkeiten, eine ordentliche Kalibrierung zu erreichen ist aber eine ziemliche Fummelei.

Insgesamt ist die Qualität der Darstellung zwar absolut überzeugend, doch vermisst man die von HTC oder eben dem LG G2 und OnePlus One bekannten Off-Screen-Gesten: Per Doppeltap aufwecken kann man das Gerät leider nicht, was noch das i-Tüpfelchen gewesen wäre. Dennoch gibt es an sich kein Grund zur Beanstandung. Auch der Touchscreen reagiert prompt und ohne Verzögerungen, sprich: genau so, wie es sein sollte.

Performance und Akkulaufzeit – Besser, aber noch nicht hervorragend 

Im Inneren des Huawei Ascend Mate kommt der Kirin 925-SoC zum Einsatz – es handelt sich hierbei um einen Prozessor aus eigenem Hause, der 8+1 Rechenkerne besitzt. Hierbei handelt es sich um vier Cortex-A15-Kerne mit einer Taktung von 1,8 GHz und vier Cortex-A7-Kerne mit einer Taktung von 1,3 GHz, welche weniger anspruchsvolle Aufgaben übernehmen sollen. Je nach Szenario ist es dadurch in der Theorie möglich, für unterschiedliche Aufgaben nur einen Teil aller Kerne zu verwenden: Bei Telefon und SMS etwa nur einen Cortex-A7-Kern, für E-Mail und Social-Networking drei Cortex-A7-Kerne, für Gaming – laut Huawei nur 20 Prozent der Zeit bei den meisten Nutzern – dann zusätzlich noch die vier Cortex-A15-Kerne. Bis zu 50 Prozent soll die big.LITTLE-Architektur beim Ascend Mate 7 einsparen, so ganz neu ist die Technologie natürlich nicht. Der neunte Kern, i3 genannt, ist nur für Sensoren wie Schrittzähler, Kompass und Gyroskop zuständig und läuft zum Einsatz der vorinstallierten Health-Applikation permanent mit.

Tatsächlich ist das Ascend Mate 7 außerordentlich flüssig – ob es nun an dem neuen SoC liegt, oder vielleicht an der optimierten Software, sei dahingestellt. Anders als noch beim Ascend P7 lassen sich Menüs flüssig scrollen und auch die Benachrichtigungsleiste butterweich nach unten ziehen. Im AnTuTu Benchmark v.5.0 erreicht das Ascend Mate 7 eine Punktzahl von 42.922 Punkten und platziert sich damit zwischen dem HTC One M8 und dem Samsung Galaxy S5 – das wäre völlig ausreichend, wenn nicht kürzlich bekannt geworden wäre, dass Huawei bei Benchmarks gerne nachhilft und man die Ergebnisse daher mit Vorsicht genießen sollte. Bei alltäglichen Aufgaben lässt sich das Smartphone zwar flüssig bedienen und auch beim Gaming ist die Performance in etwa auf dem Niveau des OnePlus One, einem der schnellsten Smartphones auf dem Markt. Hin und wieder zeigen sich aber einige Aussetzer, sobald es ans ausgiebige Multitasking geht: Lädt man etwa mehrere Apps runter und wechselt währenddessen in andere Applikationen, kann es durchaus zu einigen Aussetzern kommen. Zudem scheint die recht aufwändige Multitasking-Animation an sich nicht immer flüssig abzulaufen, die Wärme-Entwicklung ist ebenfalls schnell merklich am oberen Rand bei der Kamera spürbar.

All das ist sicherlich Meckern auf hohem Niveau, bedenkt man aber den relativ hohen Preis des Ascend Mate 7 wird es Zeit, das Image von Huawei als Budget-Hersteller außen vor zu lassen und aktuelle Flaggschiffe als Messlatte zu nehmen, die schlichtweg in anspruchsvollen Use-Cases stabiler und flüssiger laufen. Hier sollte Huawei aber dazu in der Lage sein, mit Software-Updates nachzubessern, damit die Leistung des an sich sicherlich ausreichend starken Kirin 925-SoC optimal ausgereizt werden kann. Im Moment läuft das Ascend Mate 7 bereits gut – vor allem erheblich besser, als noch das Ascend P7 zu Release – aber es gibt immer noch etwas Luft nach oben, etwa im Hinblick auf das OnePlus One. Der Vergleich ist allerdings etwas unfair, denn die Software des Ascend Mate 7 ist erheblich umfangreicher als die CyanogenMod des OPO.

Was die Akkulaufzeit angeht, schlägt sich das Ascend Mate 7 im normalen Nutzerszenario außerordentlich gut. Egal ob Gaming, Social Networking oder die Verwendung als E-Reader (was sich bei der Größe schon anbietet), mindestens 6 Stunden Screen-On-Zeit bei bis zu 48 Stunden gemischter Nutzung sind durchaus drin. Wer viel mit dem Gerät zockt, wird natürlich schneller an die Grenzen des Gerätes stoßen, doch trotz des größeren Displays schlägt sich das Ascend Mate 7 im Alltag von der Akkulaufzeit noch ein gutes Stück besser, als zum Beispiel das OnePlus One oder das LG G2 – beides Geräte, die sich bereits durch eine sehr gute Akkulaufzeit auszeichnen.

EMUI 3.0  – Android aus einer anderen Dimension mit vielen spannenden Features

Huawei hat mit der Emotion UI schon immer eine ganz eigene Interpretation von Android auf Smartphones zum Einsatz gebracht, doch EMUI 3.0 stellt einen erheblichen Sprung nach vorne dar. Selbst in Anbetracht des Designs und der Spezifikationen, oder auch des neuen Kirin 925-SoC stellt die Software das bemerkenswerteste Feature des Huawei Ascend Mate 7 dar. Die Emotion UI 3.0 basiert auf dem Motto „Time & Space“, welches in der Benutzeroberfläche durch die Kombination von Kreisen und Linien verdeutlicht wird – daher zuvor der Verweis auf das HTC One M8, wo die Antennen eben eine solche Einheit mit der Duo-Kamera bilden. In der Software des Mate 7 finden sich diese Elemente an vielen verschiedenen Stellen wieder: In der Benachrichtigungsleiste und im Nachrichtenverlauf, wo die Formen eine Art Timeline bilden, ebenso bei zahlreichen Einstellungsreglern in unterschiedlichen Apps.

Es ist wirklich sehr schön anzusehen, wie stringent die Designer von Huawei die minimalistischen geometrischen Formen an vielen Stellen des System-Interface zum Einsatz gebracht haben, um eine gänzlich neue User-Experience für den Nutzer zu schaffen. Die System-Applikationen, also SMS, Uhr, Musik etc.,  wirken dadurch allesamt modern, minimalistisch und zugleich durch die helle Farbgebung freundlich und einladend. Zudem kommen an vielen Stellen Transparenz-Effekte zum Einsatz: Sogar in den Einstellungen ist das Wallpaper des Homescreens noch am oberen Rand zu erkennen, da dieser zu einem gewissen Grad transparent ist. Im Musik-Player wird das Coverart in einem Kreis dargestellt, der Hintergrund ist verschwommen und erzeugt dadurch einen interessanten Effekt, der einen Blick auf die wesentlichen Bedienelemente zulässt. Mit einem Tipp auf das Coverart wird ein weiterer Kreis geöffnet, der sämtliche Lieder des Albums anzeigt.

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Beim Dialer sowie beim Sperrbildschirm verzichtet man sogar gänzlich auf eine Überlagerung des Home-Bildschirms – das führt dazu, dass der Nutzer allein durch das Wechseln des Wallpapers viele Teile der Benutzeroberfläche personalisieren kann. Die Oberfläche wirkt ungemein modern, anders, als das, was man auf dem Android-Sektor gewohnt ist und vor allen Dingen sehr durchdacht und in sich konsistent. Als langjähriger Android-Nutzer, der schon so einige bunte Oberflächen von Samsung und Co. über sich ergehen lassen musste, kommt man nicht umhin den Entwicklern von Huawei Respekt für das hervorragende Software-Design zu zollen. Sicher, dies und jenes hat man hier und da in irgendeiner Form schon mal gesehen, doch das ändert nichts daran, dass die User Experience der EMUI 3.0 stimmig und überzeugend wirkt. Die Systemapplikationen sehen ansprechend aus, erfüllen jeweils ihren Zweck und Swype stellt mit dem populären Tastatur-Konzept das passende Eingabewerkzeug zur Verfügung – auf dem großen Bildschirm des Ascend Mate 7 lässt es sich sehr gut tippen beziehungsweise wischen.

Interessant ist zudem auch, dass „Raum“ eine völlig neue Bedeutung auf dem Ascend Mate 7 erfährt, denn in vielen Apps kann man durch vertikales Overscrolling versteckte Menüs öffnen. Das klingt komplizierter, als es eigentlich ist: Befindet man sich etwa in der Kontakte-App und scrollt bis zum ersten Kontakt (beginnend bei A) weiter nach oben, wird nach einer Sekunde ein neues Menü am oberen Rand eingeblendet. Dieses zeigt dann die eigenen Kontaktinformationen an und bietet sogar die Möglichkeit, einen QR-Code zur Weitergabe anzuzeigen. Ähnliche versteckte Menüs gibt es auch in der Nachrichten-App und an einigen anderen Stellen im System – das funktioniert so gut, dass man sich dieses Feature im Prinzip in jeder App wünschen würde, in der seitliche Menüs keine Option darstellen, da die herkömmlichen Scrollgesten schon für andere Funktionen belegt sind. Neben der Bedienung fallen auch Features wie die Screen-Kalibrierung, das Ausblenden der Navigationsleiste, das „Bitte nicht stören“-Feature, welches bis auf ausgewählte Benachrichtigungen zu bestimmten Zeiten für Ruhe sorgt und viele weitere positiv auf, gerade im Vergleich zu AOSP Android.

Leider scheint den Entwicklern bei Huawei keine Zeit geblieben zu sein, um auch dem Launcher ein umfassendes Update zu verpassen – es bleibt bei den recht spartanischen Einstellungsmöglichkeiten, die nur drei verschiedene Raster und die Anwendung diverser Icon Themes erlauben. Die standardmäßigen bunten Icons und Widgets wollen aber nicht so recht zur restlichen Aufmachung passen und auch im Theme Store findet sich leider nicht das passende Design, um die Eleganz der EMUI-Software konsequent bis zum Startbildschirm durchzuziehen – da wirkt selbst TouchWiz und sicherlich HTC Sense und Sonys Timescape UI erheblich moderner und eleganter. Hier sollte sich Huawei dringend von Apple beziehungsweise MIUI distanzieren und eine neue, innovativere Homescreen-Lösung entwickeln, die dem Rest der Software würdig ist. Ein Anfang wäre etwa die Einrichtung eines Newsfeed-Bildschirms oder eines Nachrichten-Hubs, im Allgemeinen schlichtweg ein Design, welches die Display-Größe moderner Geräte besser ausnutzt, als das für ein damals 3,5 Zoll in der Diagonalen messendes Smartphone Homescreen-Konzept.

Einfach nur sämtliche Icons auf dem Homescreen zu verteilen und dann auch nur eine sehr kärgliche Auswahl an eigenen Widgets zu bieten sorgt bisweilen für Ernüchterung beim anspruchsvolleren Nutzer – wer sich nicht viel mit dem Design des Smartphones auseinandersetzen möchte, findet andererseits vielleicht auch gefallen daran, sich im Prinzip nur ein Iconpack aussuchen zu müssen.

Das wäre auch alles nur halb so schlimm und würde hier gar nicht groß kritisiert werden, wenn man den Launcher wechseln könnte: Aktuell lässt sich das Ascend Mate 7 mit EMUI 3.0 nicht mit dem Nova Launcher, Apex Launcher oder anderen Launcher verwenden. Wer versucht, einen alternativen Launcher zu verwenden, wird beim Druck auf die Home-Taste immer zum Huawei-Startbildschirm zurückgeleitet – eine Option zur Änderung des Launchers gibt es in den Einstellungen keine, auch das Zurücksetzen der Standardeinstellungen oder die Verwendung einer Home-Switcher-App sorgt nicht für das gewünschte Resultat. Ähnliches ist leider bei allen vorinstallierten EMUI-Apps festzustellen: Youtube-Links werden im hauseigenen Browser anstelle von YouTube geöffnet, Fotos in der Galerie anstatt Quickpic und so weiter – eine Änderung der Standardeinstellungen ist kurioserweise nicht möglich. Das ist ein ziemlich herber Wermutstropfen, der zudem mangels Root-Zugriff im Moment nicht eigenständig vom Nutzer behoben werden kann. Zu hoffen ist, dass Huawei hier entweder den eigenen Launcher verbessert, oder die Installation mit dem nächsten Update wieder ermöglicht.

UPDATE: Tatsächlich gibt es doch die Möglichkeit, einige der voreingestellten Standardapplikationen zu verändern. Hierzu begibt man sich bei den Einstellungen auf „Apps verwalten“ und tippt unten auf den Menüpunkt „App-Standardeinstellungen“. Dann lassen sich zumindest Launcher und einige andere Apps ändern, der Browser ist allerdings leider weiterhin festgelegt und insgesamt ist diese Methode etwas umständlich. Danke an Marcel Hilzinger für den Hinweis!

Der Fingerabdruck-Scanner: Viel besser, als erwartet 

Etwas kritisch stand ich zu Beginn dem Fingerabdruck-Scanner des Ascend Mate 7 gegenüber, war dieser doch ebenso unglückselig positioniert, wie beim HTC One Max. Die Befürchtung, das Scannen des Fingers könnte ebenso eine ergonomische Tortur werden, erwiesen sich als unbegründet. Schließlich genügt es beim Mate 7, den Finger auf den Scanner zu legen, egal in welchem Winkel, selbst wenn diese feucht sein sollten. Über den Sensor wischen wie beim Galaxy Note 4 oder eben dem One Max muss man nicht, tatsächlich handelt es sich laut Huawei sogar um den ersten Fingerabdruckscanner seiner Art.

Im ausgeschalteten Zustand kann das Ascend Mate 7 nämlich durch das Auflegen des Fingers sofort entsperrt werden, wobei bei falscher Eingabe ein leichtes Vibrieren ein entsprechendes Signal gibt. Dies funktioniert überraschend gut und ist eine außergewöhnlich komfortable Möglichkeit, das Gerät sofort zu entsperren, ohne auf Sicherheit verzichten zu müssen. Auch die Einrichtung des Fingerabdruckscanners verläuft tadellos einfach, gespeichert werden die Daten auf einem separaten Chip, sodass ein Missbrauch eigentlich nicht möglich sein sollte. Laut Huawei soll es auch möglich sein, mit dem Fingerabdruck zum Beispiel via PayPal zu bezahlen und künftig noch weitere Sicherheitsmaßnahmen obsolet zu machen. Sollte der Fingerabdrucksensor wider erwarten nicht korrekt funktionieren, wird die obligatorische Backup-PIN eingegeben. Bisher funktionierte der Scanner aber ganz gut, nur gelegentlich versagte dieser völlig den Dienst und wollte keine Eingaben mehr registrieren, was nur mit einem Neustart behoben werden konnte. Sofern der Scanner aber aktiv war, erfolgte eine Registrierung des Abdrucks problemlos.

Die Kamera – Sehr gute Software, durchwachsene Bildqualität

Die Kamera im Ascend Mate 7 löst rückseitig mit 13 und frontseitig mit 5 Megapixel auf – das klingt auf dem Papier schon Mal ganz ordentlich, wobei obendrein der Hersteller des Sensors der 13 Megapixel-Kamera ja Sony sei. Man sollte sich hier jedoch nicht täuschen lassen, für gehobenere Ansprüche ist die Kamera des Ascend Mate 7 nämlich vermutlich nicht allzu gut geeignet. Wie bei den meisten anderen Kameras ergeben sich bei ausreichend gutem Licht ordentliche Bilder, bei Dämmerung oder gar Nacht werden die Bilder hingegen verrauscht oder zum Teil auch unscharf, wenn man die Sache der Automatik überlässt. Da schon bei ISO 800 schon Schluss ist und die Einstellungsmöglichkeiten aus Sicht eines Fotografen eher beschränkt sind, eignet sich die Kamera nicht wirklich für Menschen, die gerne fantastische Fotos mit ihrer Smartphone-Kamera zaubern wollen.

Nicht weiter schlimm, denn die Masse der Nutzer will mit ihren mobilen Geräten nur schicke Fotos für Social Networking erstellen und das kann die Kamera des Ascend Mate 7 hervorragend. Das liegt zum einen an der hohen Auflösung der Frontkamera, die das Gerät gut geeignet für Selfies macht. Zum anderen gibt es zahlreiche Filter und Bearbeitungsmöglichkeiten, etwa einen Beautifier, der das ganze Bild weichzeichnet oder Sepia-Effekte und Co.. Auch bei der Kamera-Software hat Huawei hervorragende Arbeit geleistet: Alles sieht sehr modern und elegant aus, die wichtigsten Funktionen Für Blitz etc. sind intuitiv zu finden – für tiefere Einstellungen wird der Nutzer in ein recht umfangreiches Listenmenü katapultiert, welches man aber eigentlich getrost meiden kann, da hier nicht viel aus der Fotoqualität herauszuholen ist.

Das Handling des Phablets – ein Faktor, der von vielen vergessen wird – ist hierbei noch mit einer Hand machbar, da auch der Fingerabdrucksensor als Auslöser genutzt werden kann. Auch wenn die Qualität nicht immer optimal ist, so sind die Fotos wenigstens zum größten Teil scharf. Ebenso ist der Schnellstartmodus als genial hervorzuheben: Tippt man doppelt auf die Lautstärke-Unten-Taste, wird selbst im ausgeschalteten Zustand sofort ein Foto geschossen. Hält man das Gerät einigermaßen still, sind die Ergebnisse sogar brauchbar und binnen einer Sekunde – die Zeit wird einem auf dem Display angezeigt – auf dem Smartphone. Es ist wirklich festzuhalten, dass die Kamera des Ascend Mate 7 einzig von dem Sensor selbst gebremst wird, sollte man zukünftig auf bessere Module setzen, bietet die Software bereits eine sehr gute Oberfläche, nicht so überladen und unübersichtlich, wie es bei der Konkurrenz der Fall ist. Lob kann man Huawei aussprechen für den Ansatz, eine Smartphone-Kamera Smartphone-Kamera sein zu lassen – verbessern könnte man diesbezüglich noch den Wechsel zur Bildgalerie, der etwas holprig ist.

Sonstige Eindrücke – Lautsprecher, Zubehör, Verpackung

Der rückseitig verbaute Lautsprecher ist recht laut und verzerrt auch bei voller Lautstärke nicht – die Qualität geht absolut in Ordnung, erblasst natürlich im direkten Vergleich mit einem HTC One M8. Als ungeeignet empfinde ich die Positionierung nicht, es ist schon recht schwer, den Lautsprecher komplett beim Spielen abzudecken. An Zubehör legt Huawei eine SIM-Nadel, USB- und Ladekabel sowie ein Headset mit nicht allzu guter Qualität bei – die Verpackung ist im Übrigen sehr schick gestaltet und wirkt außerordentlich edel – schade, dass es passend dazu keine tiefschwarze Variante des Mate 7 mit goldenen Farbakzenten gibt.

Spannend ist die Verwendung in Kombination mit einem Active Noise Canceling-Headset – bei der Pressekonferenz hat das Unternehmen auch derartige Kopfhörer verteilt, welche recht erfolgreich Umgebungsgeräusche minimieren. Während andere Personen und Signalgeräusche nur dumpf klingen, aber definitiv hörbar sind, werden Motorgeräusche, Rauschen und ähnliche, durchgehende Klänge ziemlich gut von den Kopfhörern ausgeblendet. Dafür müssen diese jedoch aufgeladen werden, was mitunter recht nervig sein kann.

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Nun der absolut geniale Clou: Huawei hat als erster Smartphone-Hersteller überhaupt ANC-Charging im Smartphone integriert, sprich: Die Kopfhörer beziehen ihre Energie aus dem 3,5mm-Anschluss und werden hierüber automatisch aufgeladen, was einem den Anschluss an die Steckdose erspart. Abzuwarten ist, wie sich Kopfhörer anderer Hersteller mit dem Mate 7 vertragen und ob die Ladung ausreicht, um auch größere Exemplare mit ausreichend Strom zu versorgen. Bei den von Huawei spendierten Kopfhörern funktioniert dies aber hervorragend, ich möchte das ANC Headset auf jeden Fall nicht mehr als täglichen Begleiter in Bus und Bahn missen.

Fazit: Ziemlich gut für den ersten Versuch

Pro:

  • Gutes, großes Display mit sehr gutem Display-Gehäuse-Verhältnis
  • 4.100 mAh Akku sorgt für zwei Tage Nutzung ohne Probleme
  • Hervorragende, durchdachte Software mit innovativen und auch altbekannten Features
  • Ansprechendes Aluminium-Gehäuse mit guter Verarbeitung
  • Octa-Core-Prozessor bietet gute Leistung
  • Insgesamt keine gravierenden Mängel

Contra:

  • Standard-Applikationen (Browser, Launcher etc.) können nicht geändert werden
  • Kamera nur durchschnittlich
  • Display könnte etwas heller sein
  • 500 Euro etwas zuviel für „unbekannten“ Hersteller

Das Huawei Ascend Mate 7 ist der Sprung des Herstellers ins kalte Wasser, der erste Versuch, gegen die schiere Übermacht in Form von Samsung und Apple auf dem High End-Sektor zu bestehen. Vieles hat man richtig gemacht: Die Software ist als hervorragend und innovativ zu bezeichnen, die Materialwahl als gelungen und der Preis von 500 Euro als fair. Auch die Hardware-Ausstattung kann in weiten Teilen überzeugen und liefert ein stimmiges Gesamtpaket für Nutzer auf der Suche nach einem riesigen Display und ebenso großen Akku. Dennoch gibt es einige „Mängel“, die im Moment das Ascend Mate 7 von der Spitze trennt: Da wären zum einen unsinnige Software-Einschränkungen, zum anderen die nur mittelmäßige Kamera oder das nicht wirklich überragend helle Display. Wer nach dem insgesamt besten Allrounder auf den Markt sucht, ist beim Ascend Mate 7 nicht an der richtigen Adresse – das Phablet ist in einigen Bereichen richtig gut, in manchen – je nach Geschmack vielleicht sehr wichtigen – Bereichen nur Durchschnitt.


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