Jeff Bezos: “Gedruckte Zeitungen werden in 20 Jahren Luxusartikel sein”

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Jeff Bezos prognostiziert in einem Interview, dass es in 20 Jahren keine Zeitungen mehr geben werde.


Seit Mitte der 70er Jahre befinden wir uns in einem Prozess der zunehmenden Veränderung. Wenn man auf die vergangenen Jahre zurückblickt, stellt man schnell fest, dass in Wirtschaft und Gesellschaft immer mehr Leute mit jedweder Handhabung von Information umgehen und teils damit auch ihre Brötchen verdienen müssen oder wollen. Das nennen wir den Übergang von der Dienstleistungs- zur Informationsgesellschaft. Alle sind davon betroffen, zuerst und vor allem die Industrienationen. Das erste iPad hat diese Entwicklung beschleunigt. Damit sind Tablets ein Katalysator der Globalisierung und Informatisierung geworden.

Verlage und Zeitungen leiden vor allem darunter, denn die Art und Weise des Vertreibens ihrer Inhalte ist kaum noch zeitgemäß. Beispielsweise ist dieser Artikel kostenlos, ebenso wie auch die meisten anderen Texte im Internet. Das ist Fakt und wird wohl auch so bleiben. Zu fest sind die Gewohnheiten im Internet geworden, als dass jemand ernsthaft von den Lesern Geld für das Lesen eines Artikels verlangen könnte.

Jeff Bezos, Gründer von amazon.com, hat sich in einem Interview mit der Berliner Zeitung zu der aktuellen Lage der Zeitungsbranche geäußert. Anlass ist natürlich der kürzlich verkündete Konkurs der Frankfurter Rundschau. So meint Bezos, dass Tablets einen wesentlichen Beitrag dazu leisten könnten, dass es Zeitungsverlagen in Zukunft wieder besser gehen könnte. So sei festzustellen, dass Inhalte im Web nach wie vor kostenlos sind, aber es eine Tendenz gibt, dass bezahlte Zeitungs-Abonnements auf Tablets eine größere Resonanz auslösen. Tablets würden, so Bezos, in 20 Jahren dazu führen, dass es gar keine gedruckten Zeitungen mehr geben würde: “Wenn doch, vielleicht als Luxus-Artikel, den sich bestimmte Hotels erlauben, als extravaganten Service für ihre Gäste.” So sehr ich Jeff Bezos respektiere und für einen verantwortungsvollen CEO halte, dem ich auch viel abnehme was er erzählt, kann man das nicht so stehen lassen.

Zuerst: Bezos hat natürlich einen Grund das alles genau so kund zu tun. Er ist kein Verlagschef, sondern Chef einer Firma, die mittlerweile fast ein Viertel aller Tablets in den USA verkauft und dazu einer der größten Player im Geschäft mit E-Books ist. Damit hat er natürlich erhebliches Interesse daran, dass sich die Branche stärker an seinen Produkten orientiert und in Zukunft nur noch über Amazon, Apple oder sonst wen publiziert. Es ist richtig, dass das Internet viele Inhalte kostenlos anbietet, für die ich eventuell andernorts bezahlen müsste. Das ist ok, denn Gesellschaft und Wirtschaft stellen sich darauf ein. Trotzdem ist es aus meiner Sicht vermessen zu behaupten, dass in 20 Jahren keine gedruckten Zeitungen mehr existieren.

Eine Zeitung im gedruckten Format hat viele Vorteile: sie ist vergleichsweise portabel, lässt sich mit Stift und Schere sehr leicht bearbeiten und man kann sie mit anderen Menschen teilen. Wenn wir Zeitungen nur noch mit Tablets lesen würden, gäbe es so Einiges, dass dann nicht mehr so komfortabel wäre wie wir es gewohnt waren. Man kann auf einem Tablet (noch) niemandem mal so eben kurz den Sportteil hinüberreichen. Tablets haben Akkus und der geht früher oder später immer zur Neige. Unser Energiehunger ist jetzt schon enorm. Wenn wir alle Druckereien im Land nicht mehr benutzen würden, gäbe es sicherlich ein hohes Potential Energie einzusparen. Auf der anderen Seite ist die Frage, wie hoch der Energieverbrauch würde, wenn jeder Haushalt mit einem bis zwei Tablets ausgestattet wäre, die je nach Modell alle ein bis zwei Tage geladen werden müssen.

Das Abwägen von Pro und Contra könnte man unendlich weiterführen. Abschließen möchte ich gerne resümieren, dass ich durchaus der Meinung bin, dass wir in Zukunft weniger Gedrucktes haben werden, das lässt sich nicht bezweifeln. Trotzdem bedeutet das nicht, dass in Zukunft die Kombination aus Papier und Tinte vollständig von der Bildfläche verschwinden werden.