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Ubuntu 13.04 auf dem Nexus 7 im Test: Alpha-Version mit beachtlichem Potenzial

Vor nicht allzu langer Zeit war Ubuntu für das Nexus 7 in aller Munde. Viele Websites, so auch wir, berichteten davon, dass Ubuntu 12.04 für das Nexus 7 portiert wurde. Die meisten Berichte dazu weisen zwar auf die Möglichkeit hin, zeigen aber nicht den Nutzen beziehungsweise die Vor- und Nachteile auf. Darum habe ich mich entschieden, einmal selbst Hand anzulegen und Ubuntu in der mittlerweile aktuellen Version 13.04 auf dem Nexus 7 zu installieren. Was mir dabei aufgefallen ist, wo die Stärken und Schwächen liegen, könnt ihr im folgendem Test lesen.

Ubuntu Nexus 7

Installation

Da ich Wert darauf gelegt habe, Android als Boot-Möglichkeit beizubehalten, musste das ganze über „MultiRom“ laufen. Dabei handelt es sich um einen von Programmierern entwickelten Bootloader. Hier findet ihr den originalen Thread dazu.
Die Installationsanleitung ist allerdings nicht sehr umfangreich, wodurch ich selbst kleinere Probleme hatte. Geholfen hat mir dabei Bloggerholiker welcher ein gutes Tutorial hierzu verfasst hat.

Erster Start

Nachdem mein Nexus 7 nun Ubuntu installiert hat, werden wir auch gleich dazu aufgefordert, das Betriebssystem korrekt einzurichten. Das ist ein Kinderspiel, können wir doch einfach mittels eingeblendeter Tastatur alles einstellen. Nicht ganz einfach ist allerdings das richtige Drücken von Knöpfen, da diese für größere Finger doch recht schwer zu treffen sind. Nicht umsonst wird der Einsatz einer Maus empfohlen, dazu jedoch gleich mehr.

Oberfläche

Für die neueren Versionen von Ubuntu typisch, bietet diese ebenfalls die bekannte Unity-Oberfläche. Auffällig ist vor allem, dass auch hier die Knöpfe und Menüs ziemlich klein sind. Dadurch wird die Bedienung mittels Händen erschwert. Demgegenüber steht aber natürlich die „Echtheit“ des Desktops. Damit meine ich, dass alle Funktionen eines normalen Computers auf Linux-Basis vorhanden sind. So könnt ihr richtige Ordner auf dem Desktop erstellen und habt eine echte Taskleiste. Gerade für diejenigen, die ihr Nexus 7 als echten Laptop-Ersatz gekauft haben und es mit Maus und Tastatur benutzen möchten, stellt dies einen enormen Pluspunkt dar.

Ubuntu Nexus 7

Performance

Der meiner Meinung nach größte Kritikpunkt an Ubuntu ist momentan die eher passable Geschwindigkeit. Natürlich ist dies keine finale, in weit fortgeschrittenem Stadium sich befindende Version. Allerdings dauerte es bei mir bis zu 15 Sekunden, bis sich beispielsweise Firefox geöffnet hat. An der vorhandenen Power dürfte es nicht liegen, die Tegra-3-Architektur liefert unter Android tadellos ihren Dienst. Allerdings wage ich die Prognose, dass mit kommenden Versionen, welche allerdings wohl noch ein wenig auf sich warten lassen, die Geschwindigkeit deutlich angehoben werden könnte.

Stabilität

Bluescreens oder dergleichen konnten glücklicherweise nicht festgestellt werden. Jedoch hat Ubuntu seine kleineren Macken: Mal stürzen Programme einfach ab, mal tauchen Hinweise auf, Systemanwendungen seien abgestürzt und mal verschwindet die Tastatur einfach und lässt sich nur mühsam wieder zum Arbeiten bewegen. Diese Punkte sind natürlich nicht unerheblich, insbesondere im täglichen Einsatz dürften diese mehr als nur stören.

Neuxs 7 Stabilität Ubuntu

Ein weiteres Problem stellt die Software aus dem Ubuntu Software Center dar. Bisher ließ sich keines der ausprobierten Programme installieren. Ob das ein genereller Bug ist, oder nur an mir und meiner Unvertrautheit mit Linux liegt, kann ich leider nicht beantworten. Denkbar ist allerdings, dass die Programme für die x86-Architektur geschrieben wurden, weshalb sie mit einem ARM-Computer nicht heruntergeladen werden können. Dieser Eindruck verdichtet sich beim Versuch der Installation des Opera Browsers, da hier „incorrect Architecture“ als Fehlermeldung ausgegeben wird.

Ubuntu Softwarecenter Nexus 7

Konnektivität

Das Ubuntu-Wiki weist gleich darauf hin, dass Bluetooth-Konnektivität nur eingeschränkt verfügbar ist. Im Test konnte dies auch so bestätigt werden. Manch Peripherie lief problemlos, andere ließ sich nicht zur Zusammenarbeit überreden.

Mittels eines handelsüblichen OTG-Kabels habe ich dann eine normale Tastatur angeschlossen, welche problemlos erkannt wurde. Ebenso ging es mit der Maus. Da ich allerdings keine Bluetooth-Mäuse oder -Tastaturen zur Verfügung hatte, kann ich nicht abschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Gerät erkannt wird.

WLan Nexus 7 Ubuntu

Fazit

Zurzeit ist Ubuntu noch zu unausgereift, um damit wirklich arbeiten zu können. Zu viele Fehler hat das aktuelle System noch, zu oft musste ich Absturzberichte an das Ubuntu-Team schicken. Ebenso kann die Performance zur Zeit noch nicht überzeugen. Doch wenn diese Punkte ausgemerzt werden, steht dem Nexus 7 eine absolut potente Alternative als Betriebssystem zur Verfügung. Gerade Benutzer, welche sich mit Ubuntu auskennen, werden begeistert sein um die Möglichkeiten, die ihnen nun zur Verfügung stehen.

Die alles entscheidende Frage ist aber natürlich, für wen Ubuntu und für wen Android zukünftig die bessere Alternative darstellen wird. Während Android logischerweise absolut Touch-optimiert wurde, viele komplizierte Systemeinstellungen über das normale Menü gar nicht erreichbar sind, öffnet sich Ubuntu dem User vollkommen. Richtige Ordner mit verschiedenen Files und dergleichen sind nur bei Ubuntu zu finden. Unter Android müssen sich alle den Desktop-Verknüpfungen auf dem Home-Bildschirm unterwerfen und können Ordnerstrukturen meist nur über Drittanbieter-Applikationen einsehen.

Apps aus dem Play Store funktionieren bis auf Weiteres nur auf Android. Laut dem Ubuntu-Wiki gibt es auch keine Pläne, Android-Applikationen auf Ubuntu lauffähig zu machen. Wer also Spiele wie Dead Trigger, Asphalt 7 oder das neue Modern Combat spielen möchte, muss entweder Android beibehalten oder zumindest die MultiRom-Methode nutzen, um das Beste beider Welten zu kombinieren. Ubuntu ist im Vorteil, wenn es um echte Entwickler-Umgebungen oder die große Auswahl an guter und ausgereifter Office-Software geht. Momentan stellt Android aber noch immer die einzige Wahl für das Nexus 7 im Alltagsgebrauch dar.

Abschließend möchte ich mich noch für die schlechte Bildqualität entschuldigen. Mein Camcorder hat den Geist aufgegeben weswegen ich auf ein Ersatzgerät ausweichen musste. Darüber hinaus besitzt Ubuntu leider keine Screenshot-Funktion.


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