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Tablets und das bisschen Speicher: Ist Network Attached Storage (NAS) die Lösung?

Wer das bisschen Speicher in seinem Tablet erweitern möchte und dabei nicht davor zurückschreckt, Daten über das Internet zu versenden, jedoch trotzdem Herr über den Speicher bleiben will, für den kommt ein Network Attached Storage infrage.

Ein Network Attached Storage, kurz NAS, ist im Prinzip nichts anderes als eine Festplatte, die über das Netzwerk zum Datenaustausch zur Verfügung steht. Hierzu wird um die Festplatte ein Computer herum gebaut, der darauf spezialisiert ist, bei möglichst geringem Stromverbrauch genau diese Leistung zur Verfügung zu stellen. In der Regel hat er keine weitere Peripherie, ist daher nur über das Internet, bzw. das lokale Netzwerk, erreichbar.

Funktionsweise eines NAS-Systems

In der Regel werdet ihr so einen kleinen Rechner in einen Raum stellen, in dem er nicht stört. Denn obwohl er für den Dauereinsatz optimiert ist, machen die meisten dieser Geräte dennoch etwas, wenn auch nicht viel, Lärm. Ansonsten muss in der Nähe des NAS lediglich noch ein Stromanschluss vorhanden sein und natürlich eine Anbindung an das lokale Netzwerk.

Es gibt viele Anbieter für NAS, und ich will hier keinen Vergleichstest machen. Ich habe mir eine angesehen: die Synology DS413j.

Auf dieses Modell trifft eines genauso zu, wie auf viele andere NAS-Server: es kommt ohne Festplatte. Wenn ihr euch ein NAS zulegen wollt, müsst ihr also sehr genau darauf schauen, ob bereits der Speicher mitgeliefert wird, oder ob ihr hierfür nochmals zusätzlich in die Tasche greifen müsst. Wenn der Speicher bereits mitgeliefert wird, kann dies zwar Kosten sparen, verringert aber zugleich die Flexibilität, denn häufig können die Festplatten dann nicht einfach getauscht werden. Bei der DS413j sind insgesamt vier Plätze für Festplatten vorgesehen, diese können 3,5 oder 2,5 Zoll groß sein. Jede dieser Festplatten kann vier Terabyte Speicher beinhalten, sodass insgesamt ein Speichervolumen von 16 Terabyte zur Verfügung gestellt werden kann. Dabei könnt ihr die Festplatten im RAID-Verbund zusammenschließen. Wenn ihr also ein NAS gerade auch zur Sicherung von Daten verwenden wollt, habt ihr dann zwar weniger Speicher (die Hälfte) zur Verfügung, aufgrund der Redundanz jedoch eine größere Datensicherheit.

Was heißt das genau? Wenn es euch wichtig ist, dass ihr die gespeicherten Daten nicht etwa durch einen Festplattencrash verliert, könnt ihr das NAS so einstellen, dass es dieselben Daten auf zwei verschiedene Festplatten parallel schreibt, quasi spiegelt. Sollte eine Festplatte kaputt gehen, sind somit die vollständigen Daten noch auf der anderen Festplatte vorhanden. Ihr müsst nun einfach die kaputte Festplatte (schnell, bevor die noch intakte ebenfalls den Geist aufgibt) austauschen, die Daten werden von der intakten Platte wieder gespiegelt, und schon habt ihr dieselbe Sicherheit wie zuvor.

Natürlich ist es ebenfalls möglich, dass beide Festplatten zur selben Zeit crashen, das ist jedoch wesentlich unwahrscheinlicher, als dass nur eine Festplatte den Geist aufgibt. Für wen der Begriff RAID böhmische Dörfer sind, für den bietet Synology einen eigenen RAID-Modus an, der sich speziell an unerfahrene Benutzer wendet und die Möglichkeit bietet, bis zu drei Festplatten in einem Verbund zusammenzuschließen.

NAS braucht Zuwendung

Die DS413j kommt als kleines Kästchen mit den Maßen 16,8 cm × 18,4 cm × 23 cm. An der Vorderseite befinden sich LEDs, zur Systemüberwachung für den Status, die Netzwerkanbindung und die vier Festplatten. Außerdem der An-/Aus-Schalter, der blau beleuchtet ist, sowie ein Lüftungsgrill. Einen solchen kleinen Rechner könnt ihr überall unauffällig hinstellen.

Bevor es losgeht, müsst ihr jedoch etwas Handarbeit leisten. Denn: die Festplatten sind ja noch nicht im NAS. Hier macht es euch der Anbieter leicht – ihr müsst lediglich die Abdeckung an der Rückseite abschrauben und die Festplatten einschieben, verriegeln, und die Abdeckung wieder anbringen. Jetzt noch das NAS an das Netzwerk anschließen – und zwar mit einem Kabel – außerdem noch Strom drauf, und schon kann’s losgehen.

Ihr habt jetzt einen Rechner, für den ihr keinen Monitor habt und keine Tastatur. Er steht in einer Ecke und hat ein Kabel, mit dem er mit dem lokalen Netzwerk verbunden ist.

Wie kommen jetzt die Daten auf diese Box? Nachdem ihr schon die Festplatten von Hand einbauen musstet, steht ihr nun wieder vor einem Problem, dem sich der völlig unerfahrene Nutzer vielleicht nur ungern stellt: die Administration. Es ist nämlich notwendig, dass man noch mehrere Einstellungen tätigt, und zwar nicht nur an der DiskStation selbst, sondern zusätzlich an eurer Firewall, die ihr hoffentlich im WLAN-Router eingerichtet habt, um schließlich auch von außerhalb eures eigenen WLANs auf die Synology DiskStation zugreifen zu können. Und das fängt damit an, dass ihr sie im Netzwerk erst mal finden müsst.

Hier bei TabletCommunity.de darf ich wohl davon ausgehen, dass der geneigte Leser ein Tablet zur Hand haben wird. Ich gehe darüber hinaus davon aus, dass dieses Tablet über das WLAN mit dem lokalen Netzwerk verbunden ist. Wir können uns also eines kleinen Hilfsmittels bedienen, das Synology zur Verfügung stellt. Es ist der „DS Finder“, der einem dabei hilft, die DiskStation im Netzwerk zu finden, sodass ihr schließlich über den Browser auf den Desktop des Betriebssystems zugreifen und die Kiste administrieren könnt.

Ich will gar nicht zu tief in die weiteren Schritte einsteigen, wie ihr eine Synology DiskStation einrichtet, um dann tatsächlich vom Internet darauf zugreifen zu können. Das kann ich mal, wenn es in den Kommentaren genügend Nachfrage danach gibt, in einem eigenen Beitrag erklären. Worauf ich allerdings hinaus will, ist, dass man schon noch selbst gehörig Hand anlegen muss, und dass Synology auf der anderen Seite interessante Werkzeuge und Apps zur Verfügung stellt, die die DiskStation erst richtig vielseitig nutzbar machen.

Wenn ihr dazu bereit seid, selbst als Administrator hin und wieder Zeit zu investieren – was ist dann aber alles möglich?

Was NAS bringt

Ihr könnt Daten im eigenen Haus speichern und habt somit die volle Kontrolle darüber, wer darauf Zugriff darauf hat. Ihr könnt dann entscheiden, ob ihr auf diese Daten nur aus dem lokalen Netzwerk oder auch aus dem Internet zugreifen könnt. Wenn ihr aus dem Internet darauf zugreifen können wollt, müsst ihr allerdings ein Loch in die hoffentlich vorhandene Firewall bohren, sodass nicht nur die Daten, wenn sie über das Internet übertragen werden, angreifbar sind, sondern eben auch das NAS selbst einem höheren Risiko unterliegt, als wenn sie sich vollständig hinter einer Firewall versteckt.

Des Weiteren bietet Synology die Möglichkeit, Apps auf dem Tablet zu installieren, wie „DS Photo“ oder „DS Audio“, mit denen ihr eure Fotoalben auf der DiskStation durchstöbern oder dort gespeicherte Musik streamen könnt. Habt ihr einen entsprechenden Client, kann die DiskStation im lokalen Netzwerk Musik oder Videos streamen. Zum Beispiel können Clients wie Sonos hierüber eure gesamte MP3-Sammlung abspielen.

Ihr könnt auch Dateien über das Internet für Andere freigeben. Das ist eine Funktion, wie ihr sie etwa von Dropbox bereits kennt. Ihr verschickt hierzu einfach einen Link, der auf die freigegebenen Ordner verweist (wie gesagt, man muss etwas Verwaltungsarbeit leisten, um das zu ermöglichen), und der Empfänger des Links kann die Daten dann herunterladen.

Es ist sogar möglich, sich einen eigenen Mail-Server aufzusetzen, ein Wiki auf dem NAS zu betreiben, eine Homepage einzurichten, und vieles mehr. Für alle diese Funktionen gibt es fertige Pakete, die ihr über den „Desktop“ der Diskstation, der über den Webbrowser erreichbar ist, durch einen einfachen Klick installieren könnt. Seit ich die erste Version dieses Textes geschrieben habe, ist die Versionsnummer dieser DSM genannten Oberfläche von Versionsnummer 4.5 auf 5 gesprungen, was nicht nur die Möglichkeit gebracht hat, das NAS mit Clouddiensten wie Google Drive oder Dropbox zu verknüpfen oder von dem NAS Videos und Bilder zu sozialen Netzwerken hochzuladen. Es zeigt auch, dass permanent entwickelt wird und ihr nicht in ein sterbendes Produkt investiert.

Schließlich gibt es noch eine Funktion, die ich gesondert ansprechen möchte, die es allerdings, wie viele der Funktionen, die ich bereits genannt habe, nicht bei jedem NAS gibt: Es ist die Möglichkeit, Überwachungskameras mit dem NAS zu verbinden und Überwachungsvideos aufzuzeichnen. Ihr könnt euch darüber hinaus bei bestimmten Ereignissen per Pushbenachrichtigung informieren lassen, etwa wenn im überwachten Objekt Bewegung festgestellt wird. Ich selbst habe diese Option aber nicht getestet.

Welches NAS ist das richtige für euch?

Es gibt NAS schon ab 100 Euro; die hier getestete Synology DS413j kostet rund 284 Euro. Nach oben gibt es, wie meistens, kaum Grenzen. Die Systeme unterscheiden sich darin, wie viel Speicher ihr maximal darin verbauen könnt, welcher Prozessor und RAM-Speicher verbaut ist – und damit, wie performant das System ist. Schließlich noch in Stromverbrauch, Lautstärke und der Software, über die das System gesteuert wird. Alles in allem sind die Unterschiede teils erheblich, was auch die Preisunterschiede rechtfertigt. Gerade Synology bietet um die eigentliche Hardware herum nicht nur mit dem DSM, über den sie auf der Browseroberfläche gesteuert wird, sondern außerdem mit den sinnvollen Apps, die für zumindest Android und iOS zur Verfügung stehen, einen echten Mehrwert.

Am Ende ist die Auswahl ein Kompromiss zwischen Speicherplatz und Performance auf der einen Seite und Kosten auf der anderen Seite. Gerade die Frage nach der Performance sollte dabei nicht unterschätzt werden, denn mitunter kann sich nicht so sehr die Datenleitung, als vielmehr der schwache Prozessor des NAS als Engstelle bei der Übertragungsgeschwindigkeit erweisen.

Fazit

Ein NAS-Server kostet Geld für die Hardware und für den permanenten Betrieb fallen Stromkosten an. Diese Lösung ist dementsprechend nicht billig. Zudem kommen die Kosten für den Volumentarif, wenn man die Daten tatsächlich über das Internet auf das Handy übertragen will und hierfür kein WLAN zur Verfügung steht.

Auch die Geschwindigkeit ist damit deutlich geringer als bei den Lösungen eingebauter Speicher, microSD-Karte oder USB-Speicher. Nicht nur, dass sich die Daten durch das Internet quetschen müssen, sie müssen darüber hinaus zunächst durch eure in der Regel deutlich langsamere Upload-Leitung, bevor ihr sie dann wieder auf euer Mobilgerät herunterladen könnt. Und das funktioniert natürlich nur dann, wenn ihr Zugang zum Internet habt, die Daten stehen also, wenn ihr Pech habt und in einer abgelegenen Gegend seid, gar nicht zur Verfügung. Dazu kommt noch, dass ihr regelmäßig Zeit investieren müsst, um das NAS zu administrieren, wenn auch nicht viel.

Dennoch sind die Daten noch im eigenen Haus gespeichert, und je nach Lösung, die ihr gekauft habt, werden sie verschlüsselt übertragen. Der Datenaustausch auf verschiedene Geräte und mit verschiedenen Nutzern ist leicht und bedarf keiner physischen Verbindung.



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