Vergleich: Cloud-Speicherdienste – Fluch oder Segen?

Von E-Mail E-Mail Google+ Google+
Am unter
Cloud-Speicherdienste Vergleich Test

In unserem Cloud-Speicherdienst-Vergleich testen wir die drei zurzeit populärsten Angebote - Dropbox, Microsoft SkyDrive und Google Drive.


Vor gar nicht allzu langer Zeit war ich noch sehr skeptisch, wenn nicht gar ein Gegner von Online-Speicherdiensten. Dateien extern speichern, sodass ich nicht sicher sein kann, wer wann auf meine Daten zugreift und ob sie auch wirklich gelöscht sind, wenn ich sie lösche? Niemals dachte ich mir. Als ich dann allerdings durch Kommilitonen das System ausprobierte, wurden meine Zweifel teilweise ausgeräumt.

Die Sicherheit solcher Dienste ist zwar immer noch größtenteils ein Fragezeichen. Mit einigen Tools allerdings ist es mittlerweile problemlos möglich, diese zu verschlüsseln. Daher sollen hier einmal verschiedene Cloud-Speicherdienste bezüglich des Gratis-Volumens und der Sicherheit getestet und verglichen werden.

Dropbox

Dropbox war sozusagen der Vorreiter der modernen Speicherdienste. Zwar hat Microsoft mit “Windows Live Folder” schon einmal einen Speicherdienst realisiert, ein wirklicher Boom ist daraus allerdings nicht entstanden. Erst durch Dropbox bekam das Online-Speichern nicht nur mehr Aufmerksamkeit von der Presse sondern auch Aufmerksamkeit und Unterstützung einer rasch wachsenden Community.
Das liegt unter anderem am Preismodell von Dropbox. Standardmäßig bekommt der Nutzer der kostenlosen Version 2 Gigabyte Speicher geschenkt. Durch “Weiterempfehlung”, bei der es pro geworbener Person 500 Megabyte gratis zusätzlich gibt, kann der Speicher bis auf 18 Gigabyte anwachsen. Umsonst wohlgemerkt. Natürlich bietet aber Dropbox auch die Möglichkeit direkt und ohne Aufwand den Speicherplatz zu erhöhen. Allerdings erscheinen die Aufrüstmöglichkeiten recht überdimensioniert. So gibt es nur die Auswahl zwischen 100, 200 und 500 Gigabyte. Und diese schlagen mit monatlich 10 US-Dollar, 20 US-Dollar und 50 US-Dollar auch eine tiefe Kerbe in die Brieftasche.

Das Benutzerinterface ist sehr schlicht und übersichtlich gehalten. Dateioptionen wie das Herunterladen auf Android-Geräte werden über ein bei langem Tastendruck erscheinenden Pop-up-Menü eingeblendet. Die Software ist dabei sehr fix und auch die Übertragungsraten sind spitze. So wurden die Daten mit durchschnittlich 60 kb/s hochgeladen, was bei meiner DSL-6000-Leitung natürlich das maximal Erreichbare darstellt.

Standardmäßig werden die Dateien in der Dropbox unverschlüsselt gespeichert. Das ist natürlich gefährlich, zumal Dropbox in jüngster Vergangenheit bereits Probleme mit Datensicherheit hatte.
Abhilfe schafft hier BoxCryptor. Das Tool verschlüsselt Ordner und Dateien mittels AES-256-Verschlüsselung. Dabei benutzt das Tool eine Linuxbibliothek welche Dokan heißt. Windows-User müssen sich dabei allerdings keine Gedanken machen, das Tool wurde sauber portiert. Mit BoxCrypter verschlüsselte Ordner können allerdings auch nur auf Endgeräten angezeigt werden, welche ebenfalls BoxCryptor installiert haben, somit müssen verbindlich 2 Apps bzw Programme auf jedem Endgerät installiert sein, um Schutz und Zugriff zu gewährleisten.

Microsoft Skydrive

Microsofts Cloud-Speicherdienst ist wohl der älteste von allen. Früher hieß er “Windows Live Folder”, wurde allerdings durch einen Relaunch im Frühjahr dieses Jahres in das einfacher klingende SkyDrive umbenannt. Bis April bekamen Nutzer dabei 25 Gigabyte Speicherplatz umsonst, mittlerweile beläuft sich der Platz allerdings auf “nur” noch 7 Gigabyte. Verhältnismäßig ist das natürlich wenig, allerdings bietet kein anderer Anbieter von Anfang an ein so großes Volumen kostenfrei an. Einzig das schon beschriebene Dropbox gibt dem Nutzer die Möglichkeit, auf bis zu 18 Gigabyte “aufzurüsten”. Allerdings müssen dafür 32 Personen geworben werden. Darüber hinaus gibt es auch hier Möglichkeiten, gegen Entgelt sein Volumen zu vervielfachen. Die Preisgestaltung ist hierbei sehr human: 20 Gigabyte zusätzlicher Speicher kosten 8 Euro pro Jahr und 50 Gigabyte schlagen mit 19 Euro zu Buche.

SkyDrive bietet ein ebenso schlichtes wie schickes Design im Metro-Stil von Windows 8. Ein dunkles aber kräftiges Blau dominiert die Farbgestaltung.  An Dateien lassen sich allerdings nur wenige Typen von Haus aus hochladen, was vielen, so auch mir, negativ aufstoßen wird. Namentlich können von mobilen Endgeräten nur Bilder und Videos hochgeladen werden. Des Weiteren durchsucht Microsoft alle hochgeladenen Dateien systematisch nach den AGBs widersprechenden Objekten, was bei Fund in einer Accountsperre endet. Dadurch ist Microsofts Online-Speicher wohl nur eine Notlösung, da dem Datenschutz somit offensiv den Kampf angesagt wird. Aus Herstellerseite ist das natürlich verständlich, da einige User wohl auch Schwarzkopien über Cloud-Speicherdienste anbieten, den gutgläubigen Nutzer allerdings so in Generalverdacht zu stellen, ist auch keine Lösung.

Die Datenübertragung von SkyDrive war mit 50 Kb/s schneller als beispielsweise Googles Drive, allerdings auch langsamer als Dropbox.

Google Drive

Sicherlich werden viele von euch wissen, dass Android ein auf Linux basierendes Betriebssystem ist. Unverständlicherweise bietet Google mit Google Drive für den Desktop allerdings keine Linux-Unterstützung. Auf Anfrage allerdings erhielt ich ein “Coming Soon”, daher bleibt es abzuwarten, wann GDrive auch für Linux-User verfügbar sein wird.

In der kostenlosen Basisversion bietet Google jedem Nutzer 5 Gigabyte kostenlosen Speicher. Damit liegt Google Drive im Mittelfeld, bietet es doch mehr als doppelt soviel Speicher wie Dropbox.  Als Aufrüst-Tarife stehen 25 und 100 Gigabyte zur Auswahl. 25 Gigabyte kosten dabei 2,49 US-Dollar und 100 Gigabyte 4,99 US-Dollar, also umgerechnet 1,90 Euro respektive 3,80 Euro pro Monat.

Abseits dessen ist Google Drive allerdings mindestens so komfortabel wie Dropbox. Zusätzlich gibt es eine Suchfunktion, die Dateien nicht nur auf Namen sucht, sondern auch deren Inhalt durchforstet. Aus datensicherheitstechnischen Gründen kann das zu Problemen führen, da Angreifer theoretisch so auch die Daten durchsuchen könnten. Allerdings ist dies nur rein spekulativ, fließt somit nicht in mein Fazit ein. Die Datenübertragung ist leider sehr langsam. 25 Megabyte dauerten im Test knapp 10 Minuten woraus eine Geschwindigkeit von rund 40 kb/s resultiert. Dadurch wird meine Leitung nicht ausgelastet. Ob GDrive bei größeren Leitungen besser skaliert, kann ich allerdings nicht nachvollziehen.

Wer seine Dateien verschlüsseln und damit gegen Angriffe absichern möchte, dem sei auch hier BoxCryptor empfohlen. Allerdings kann die Suchfunktion durch die Verschlüsselung bedingt danach nicht mehr eingesetzt werden.

Fazit

Die hier vorgestellten Cloud-Speicherdienste sind momentan die populärsten. Nicht zu unrecht, bieten sie doch bis auf Microsoft sowohl auf dem Desktop als auch auf Smartphones und Tablets die volle Unterstützung. Uneingeschränkt empfehlen kann man aber leider keinen Dienst. Erst mit Hilfe des Zusatztools BoxCryptor ist eine sichere Speicherung möglich, Google Drive bietet zusätzlich momentan auch keinen Linuxsupport was für einige wohl ein Schlag ins Gesicht ist. Wer auf den Schutz der Privatssphäre viel Wert legt, wird mit Microsofts SkyDrive wohl nicht glücklich.

Am ausgereiftesten stand daher Dropbox dar. Einzig der etwas geringe Speicher könnte den ein oder anderen User verschrecken. Allerdings habe ich momentan 7,8 Gigabyte Online-Speicher durch Werben meiner Familie und des Testens der Kamera-Upload-Funktion auf meinem Konto, womit dann auch größere Dateien schnell verschoben und synchronisiert werden können.

  • Shaphard

    Warum kein Wuala? Dann hat man das Problem mit der Verschlüsselung nicht mehr.

    • Marco Machnik

      Wuala war mir leider bis dato nicht bekannt.

      Entschuldigung, mein Fehler :-/

  • Smolo

    Skydrive bietet sehr wohl auch den Upload von anderen Dateien neben Bildern / Videos an. Für WIndows Phone benötigt man nebenbei gesagt keine Skydrive App, da der Dienst direkt in WP integriert ist.

    Interessant wäre der Vergleich der Share Funktion gewesen sowie der lokalen Synchronisierungstools das wurde leider komplett aussen vorgelassen!

    Die Artikel hier sind schlecht recherchiert. Das gleiche gilt genauso für den Bericht das Windows 8 RT angeblich über keinen Desktop verfügt was ebenfalls einfach falsch ist.

  • tec

    muss ich zustimmen, einfach schlecht recherchierte Artikel hier