Was Anleitungen für das Flashen von ROMs angeht, ist das Internet voller Tücken und Hindernisse. Zunächst einmal ist der Großteil der Anleitungen auf Englisch verfasst, was schon mal für einige eine sprachliche Barriere darstellt. Selbst wenn man dann eine Anleitung auf Deutsch findet, steht man aufgrund der vielen Fachbegriffe vor verschlossenen Türen. Im Folgenden möchte ich – auch in Vorbereitung auf das Overclocking-Special für das Google Nexus 7 – die wichtigsten Begriffe und ihre Bedeutung auflisten.
Stock ROM: Bezeichnet die Software auf euren Geräten, wie sie vom Hersteller bei Auslieferung bereitgestellt wird, beinhaltet aber auch alle offiziellen Updates. Häufig enthält eine ROM nicht den Bootloader, das Modem oder bestimmte System-Dateien. Andernfalls spricht man eher von einer Firmware mit einer bestimmten Versionsnummer. Das kann bei einem fehlgeschlagenen Flash-Versuch von Bedeutung sein, da dann häufig eine komplette Firmware geflasht werden muss, was über CWM nicht möglich ist.
Flashen: Bezeichnet das installieren einer Software auf einem Gerät, egal ob vom Gerät selbst oder über den PC.
Custom ROM: ROMs, die nicht von den Herstellern, sondern von Entwicklern entwickelt wurden. Hierzu zählen auch Modifikationen von Stock ROMs. Berühmte Custom ROMs sind die CyanogenMod (CM9 = Android 4.0, CM10 = Android 4.1), AOKP (4.0/4.1) und MIUI (GB = Gingerbread, V4= Ice Cream Sandwich oder Jelly Bean), wobei letztere hauptsächlich auf 7-Zoll-Tablets zu finden ist. Sie bieten häufig eine bessere Akkulaufzeit, eine sauberere Oberfläche und zusätzliche Einstellungen und Funktionen.
Root: Durch Root erhaltet ihr Zugriff auf das Stammverzeichnis mit den Systemdateien auf eurem Gerät. Es ist daher der erste wichtige Schritt, um Modifikationen an eurem Gerät durchzuführen. Permanent Root bezeichnet einen dauerhaften Root, während Temp Root zeitlich begrenzt ist – zum Beispiel bis zum nächsten Reboot – und sich dafür eignet, kleine Dateien wie Schriftarten auszutauschen.
Modem/Baseband: Der Teil des Systems, der für alle drahtlosen Verbindungen zuständig ist. Er wird beim Flashen von Custom-ROMs in der Regel nicht angerührt und muss bei Bedarf separat geflasht werden.
Kernel: Der Kernel ist die grundlegende Schnittstelle zwischen der Software und den Rechenoperationen, die tatsächlich vom Prozessor auf Hardware-Ebene durchgeführt werden müssen. Kurz gesagt bestimmt er maßgeblich die Performance, Akkulaufzeit, beinhaltet unter Umständen Features wie eigene Bootanimationen oder gar Dual-Boot und meistens eine Custom Recovery.
Overclock: Bezeichnet die Übertaktung des Prozessors für mehr Leistung.
Governor: Je nach Governor wird euer Gerät unterschiedlich mit Apps umgehen – bei “Performance” z.B. wird die Leistung im Vordergrund stehen, bei “Powersave” hingegen wird Energie gespart. Der Governor ist entweder im Kernel implementiert oder wird durch eine App (z.B. CPU Tuner oder SetCPU) vorgegeben.
Undervolting: Es ist möglich, per Custom Kernel die Spannung eures Prozessors zu regulieren. Eine zu hohe Spannung führt zu starkem Akkuverbrauch und möglicher Zerstörung und wird daher fast nie betrieben. Eine Verringerung der Spannung – Undervolting – wird hingegen häufig verwendet, um den Akku zu schonen. Eine zu geringe Spannung kann jedoch zu Abstürzen und SODs führen.
SOD/Standby of Death: Tritt vor allem bei Undervolting auf. Euer Gerät lässt sich auf einmal nicht mehr mit der POWER-Taste aufwecken. In diesem Falle falls möglich Akku entfernen oder die POWER-Taste für ca. 10 Sekunden gedrückt halten, bis sich euer Tablet bzw. Smartphone neu startet. Um weitere SODs zu vermeiden, ggf. einen stabileren Kernel flashen.
CWM (Clockwork Mod): Die Custom Recovery, die in der Regel stets beim Flashen verwendet wird. Es handelt sich hierbei um ein spezielles Menü, welches beim Booten durch Drücken einer bestimmten Tastenkombination (z.B. Lautstärke nach oben + Powertaste + Home) Ab Werk gibt es auch in der Stock ROM eine normale Recovery, deren Funktionen je nach Hersteller variiert.
Man sollte aber tunlichst die Finger von der offiziellen Recovery lassen, da das Flashen von Custom ROMs und anderen ZIP-Dateien nur unter CWM funktioniert. Die verschiedenen Versionen lassen sich anhand der Farbe unterscheiden, je nach Kernel werdet ihr sehr viele unterschiedliche Recoverys sehen, einige z.B. sogar mit Touchbedienung. Manche ROMs lassen sich mit älteren CWMs nicht flashen.
Ihr flasht ausschließlich ZIP-Dateien mit der CWM und wirklich nichts anderes. Man erkennt eine CWM-Zip schnell, indem man sie in Win-RAR öffnet und Ordner wie “Meta INF” oder “system” sieht. Bei .tar-Dateien, die über ODIN am PC geflasht werden, findet man hingegen eine Datei namens “zImage”.
Bootloader/Downloadmodus: Ein Modus, in dem ihr Dateien von eurem PC auf euer Tablet bzw. Smartphone flashen könnt. Wird meistens nur beim ersten Flash verwendet oder wenn man sein Gerät unbrauchbar gemacht hat. Zum Einsatz kommt bei Tablets häufig ein spezielles Tool, welches speziell für das jeweilige Modell entwickelt wurde.
Bei Samsung-Geräten kann man im Allgemeinen das Programm ODIN zum Flashen benutzen. Der Bootloader lässt sich durch gedrückt halten der POWER-Taste + Lautstärke nach unten einschalten. Bei HTC, ASUS und Samsung lässt sich dieser offiziell entsperren (wobei man sich bei HTC hierfür anmelden muss und bei Samsung ein gelbes Warndreieck auftritt), andere sind entweder gar nicht gesperrt oder lassen sich nicht entsperren. Auf offiziellem Wege geht die Software-Garantie unwillkürlich abhanden.
Wipe: Den Wipe führt man meistens vor dem Flashen einer neuen ROM durch, um alte Dateien zu beseitigen. Wenn ihr auf “Wipe data / Factory reset” geht, wird jedoch nur auf Werkseinstellungen zurückgesetzt. Solltet ihr wirklich alle Dateien beseitigen wollen, geht auf “mounts and storages” und dann “format system” , “format cache” , “format data”, wodurch wirklich alles gelöscht wird. Ihr solltet aber natürlich sicherstellen, dass ihr auch direkt die neue ROM flashen könnt, da ihr ansonsten euer Gerät nicht mehr starten könnt. Wer sich nicht traut, kann auch den normalen Factory Reset durchführen und schauen, ob es auch so klappt.
Brick: Vom Brick oder bricked/gebrickt spricht man, wenn man sein Smartphone bzw. auch Tablet beim Flashen unbrauchbar gemacht hat. Man unterscheidet gelegentlich zwischen dem normalen “Brick”, den man ohne weiteres rückgängig machen kann, und einen Full/Hardbrick, der (zunächst einmal) unwiderruflich ist. Solltet ihr euer Gerät gebrickt haben, gilt es erst einmal Ruhe bewahren und folgende Schritte durchzuführen:
- RUHE BEWAHREN! Gerät ausschalten, gegebenenfalls Akku herausnehmen. Im Idealfall habt ihr euer Tablet bzw. Smartphone vor dem Flash voll aufgeladen, die Energie werdet ihr benötigen!
- Prüfen, was noch funktioniert und was nicht – a) Ob euer Gerät noch normal startet b) Ob ihr noch in die Clockwork Recovery mod kommt c) Ob ihr noch in den Download-Modus kommt. Gelegentlich kann es sein, dass euer Display zwar nichts mehr anzeigt, das Gerät sich aber dennoch in den Download-Modus booten lässt. Steckt es dann einfach an euren PC und prüft nach, ob und als was euer Tablet bzw. Smartphone angezeigt wird.
- Haltet eure Informationen bereit und fragt in verschiedenen Foren nach bzw. googlet nach eurem Problem. Je mehr Informationen ihr noch habt, wie es zum Brick gekommen ist, desto eher kann euch geholfen werden. Wichtig sind zum Beispiel a) Modellbezeichnung und vorher auf dem Gerät installierte ROM b) Was ihr flashen wolltet c) Was ihr bereits (erfolglos) ausprobiert habt.
In den meisten Fällen müsst ihr eine Firmware herunterladen und diese über euren PC auf eurem Tablet installieren. Solltet ihr noch in die Custom Recovery booten können, ist alles nur halb so schlimm, da von hier aus alle wichtigen Schritte vorgenommen werden können. Im Zweifelsfalle führt ihr einfach einen Wipe durch und probiert es mit einer anderen ROM.
Bootloop: Beobachtet euer Gerät beim ersten Boot genau. Zunächst einmal kommt der Splashscreen, ein unanimiertes Logo vom Hersteller, bei Samsung auch mit Gerätebezeichnung. Im Anschluss kommt erst die eigentliche Bootanimation – solltet ihr einen Bootloop haben, wird sich die Animation unendlich oft wiederholen. Länger als 10 Minuten solltet ihr nicht warten, bevor ihr das Gerät ausschaltet und auf Fehlersuche geht.
Ihr könnt eine gewollte (also in der Animation einprogrammierte) von einer ungewollten Wiederholung unterscheiden, da die ungewollten Wiederholungen mit einem kurzen Aussetzer und schwarzem Bildschirm enden. Ein weiteres Indiz sind die kapazitiven Tasten, die kurz vor dem Ende des Bootvorgangs leuchten, haptisches Feedback oder dass die Displayhelligkeit nach einer Zeit verringert wird – dann sollte alles in Ordnung sein und kein Bootloop vorliegen.


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