Quasi aus dem nichts hat Google vor kurzem das Chromebook Pixel nicht nur vorgestellt, sondern in den USA sogar unmittelbar im Google Play Store zum Verkauf freigegeben. Schon seit längerem kursierten Gerüchte um ein Chromebook aus Aluminium, welches mit Touchscreen und dem Cloud-OS Chrome laufen sollte. Was Google dann aber letzten Endes auf den Markt brachte, schockierte nicht wenige – ein absolutes High-End-Gerät mit 2560×1700-Touchscreen-Display, Intel-Core-i5, 4 GB RAM und, der eigentliche Schockfaktor, einem Preis ab 1299 US-Dollar.
Das will so ganz und gar nicht zum Image der Chromebooks bislang passen – bislang verkaufte man eher äußerst günstige Geräte mit niedrigen Specs, etwa einem Intel-Atom, kleinen Displays und dennoch guter Verarbeitung. Computing in der Cloud sollte mit den Chromebooks betrieben werden und da in der Werbung von Google selbst dutzende Chromebooks zerstört wurden, setzte sich bei den Kunden das Bild von Chromebooks als beliebig austauschbare, günstige Hardware zum Zweck fest.
Vor allem aber wäre niemand auf die Idee gekommen, Chromebooks als primäre Rechner im Haushalt zu verwenden. Im Grunde genommen bieten die Chromebook schließlich nur den Zugriff auf die Cloud über den Chrome-Browser und darüber verwendbare Web-Applikationen. Hinzu kommt der kleine interne Speicher, der auch beim Chromebook Pixel nur 32 GB misst – dafür gibt es ja 1 Terrabyte Speicher bei Google Drive kostenlos dazu.
Was ist aber nun der Sinn und Zweck hinter dem Chromebook Pixel? Wer kauft sich einen 12,9-Zoll großen Laptop für 1300 US-Dollar, auf dem man kaum mehr machen kann, als auf einem Netbook? Die verbaute Hardware will nicht so ganz zur verwendbaren Software passen, denn mit dem wahnsinnig scharfen Display und der Aluminium-Optik, die stark an das MacBook Pro erinnert, scheint das Chromebook Pixel eher ein High-End-Laptop für Grafiker oder Business-Kunden zu sein.
Selbst die Nutzung von Chrome ist bei 4 GB RAM jedoch problematisch, denn da man keine anderen Möglichkeiten hat, als mit dem Browser zu arbeiten, kommen durchaus dutzende Tabs zusammen, die den Arbeitsspeicher schnell belegen. Wieso verbaut man dann 32 GB internen Speicher – die für ein Chromebook gar keinen Sinn machen – allerdings nur 4 anstelle von 8 GB RAM, was kaum mehr gekostet hätte?
Meine Vermutung ist, dass das Chromebook Pixel eher ein Prototyp ist, ein Beweis dafür, dass Chromebooks sich in Zukunft als Rechner für den Rundum-Einsatz eignen werden. Auch wenn die Software dem Nutzen noch nicht gerecht wird, liefert Google so zumindest Hardware-Technisch den Beweis, dass man in der Lage ist, High-End-Chromebooks mit starker Hardware und edlem Design zu produzieren.
Google hat wohl auch gar nicht vor, sonderlich viele Chromebook Pixel zu verkaufen – das ist auch nicht notwendig, einige Abnehmer wird es trotz allem mit Sicherheit geben, aber für den Massenmarkt ist das Pixel nie bestimmt gewesen. Stattdessen könnte Google hierdurch die Aufmerksamkeit von Entwicklern und Unternehmen auf sich ziehen – das ist auch dringend nötig, denn bislang wurden die Chromebooks von den meisten geflissentlich ignoriert.
Durch den implementierten Touchscreen könnte zudem ein Hinweis auf die kommende Touch-Optimierung von Chrome-OS oder gar ein Chrome-Tablet vorliegen. In jedem Falle kann Google es sich dank Milliarden-Gewinne im Moment durchaus leisten, einen kalkulierten Misserfolg wie das Chromebook Pixel auf den Markt zu bringen, um dem Cloud-OS mehr Aufmerksamkeit einzubringen. Viele Vorteile wie einfache Wartung, schnelle Performance und Sicherung in der Cloud werden der Masse in einem edlen Chassis attraktiv präsentiert, auch wenn die Kombination aus Hardware, Software und Preis nicht ganz stimmig ist.
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