Ein von Darren Murph auf engadget veröffentlichter Bericht zweifelte kürzlich die Notwendigkeit des Tablets als “Third Device” an. Murph betont hierbei, dass er durchaus den Sinn und Nutzen von Tablets anerkenne, dieser jedoch nicht dem entspreche, was die Hersteller einem suggerieren – nämlich, dass ein Tablet eine immense Verbesserung und Erleichterung in der Arbeitswelt darstelle. Hier gebe es einige Punkte, die den praktischen Nutzen von Tablets relativierten. Im Folgenden werden diese wiedergeben und von mir aus persönlicher Sicht kommentiert.

1. Smartphones seien ebenso leistungsfähig und einfacher zu bedienen
Ein Smartphone besitzt eine viel kleinere Bedienoberfläche und auch das Display ist um einiges kleiner. Allerdings entspricht die Auflösung moderner Smartphones mit qHD so ziemlich der der neuesten Tablets und das Smartphone sei dementsprechend in der Lage, auf einen Blick fast genauso viele Informationen preiszugeben, wie ein Tablet. Auch das Tippen auf einem Smartphone sei mit einer Hand unterwegs viel praktikabler, als die Bedienung eines Tablets mit zwei Händen.
Zunächst einmal besitzen Tablets aus dem Grund eine geringere Pixeldichte, weil sie durch ihr großes Display in der Regel auch weiter vom menschlichen Auge entfernt abgelesen werden. Und hier liegt auch schon der Knackpunkt. Es ist angenehmer, aus einer höheren Distanz dieselbe Menge an Text ablesen zu können, die man auf einem Smartphone nur aus nächster Nähe ablesen kann. Wer ein iPhone 4 sein eigen nennt weiß zum Beispiel, dass er ohne Zoomen die Inhalte einer Seite zwar bereits lesen kann, allerdings nur aus nächster Nähe.
Es stimmt zwar, dass es so ziemlich unmöglich ist, ein Tablet im Stand nur mit einer Hand zu bedienen. Auch gibt es sicherlich User, die auf ihrem Smartphone schneller tippen können, als auf der Touchscreen-Tastatur eines Tablets. Allerdings sind Tablets auch nicht wirklich dazu gedacht, um beim Laufen bedient zu werden. Auf der großen Tablet-Tastatur lässt es sich für Laien außerdem in der Regel einfacher Tippen, als auf dem kleinen Smartphone.
Vor allem bei Präsentationen, Meetings, Reden, Vorträgen oder vielleicht sogar beim Musizieren ist ein Smartphone auch absolut ungeeignet, um den Nutzer ausreichend mit Informationen zu versorgen. Dazu ist es nicht gemacht, denn ein Smartphone ist in erster Linie ein Kommunikationsgerät mit Multimedia-Funktionen, kein Document-Reader. So manch einer würde einwenden, dass ein Laptop oder Netbook da doch die bessere Alternative zum Tablet darstellen würde – auf zum nächsten Kritikpunkt:

2. Es ist “unkomfortabel”, ein Tablet zu benutzen
Mit einem 10 Zoll-Tablet Fotos zu schießen sieht in etwa so elegant aus, wie mit einer Schaufel Spaghetti zu essen. Doch selbst das Tippen auf einem Tablet sei alles andere als angenehm, schließlich habe man nur die Wahl, das Tablet entweder auf die Beine, oder flach auf den Tisch zu legen, wo man sich wiederum über das Gerät beugen müsse. Eine weitere Option sei es, sich zusätzliches Zubehör in Form von Standvorrichtungen, Bluetooth-Tastaturen oder Keybord-Cases zuzulegen, wo man sich aber wiederum genauso gut ein Netbook hätte kaufen können.
Auch wenn ein iPad mit 600g wirklich nicht lange gehalten werden will, gibt es genug andere Möglichkeiten, ein Tablet komfortabel zu benutzen und dank IPS sind Blickwinkel bei Tablets gar kein Problem. Es ist nun wirklich keine Herausforderung, das Gerät entweder auf eine tiefergelegte Fläche – z.B. dort, wo in der Regel am Schreibtisch die Tastatur liegt – oder in eine Schräglage auf einem Kissen oder auf der Couch zu positionieren. Darüber hinaus funktionieren viele Cases für Tablets auch gleichzeitig als Standvorrichtung und kaum einer wird behaupten, dass sie ihr teures Macbook nicht auch mit einer Tasche schützen.
Das Problem sei laut Artikel aber nicht nur die Haptik, sondern auch die Software von Tablets – es sei eine Qual, zum Beispiel Dateien an eine E-Mail anzuhängen mangels Dateibrowser und auch das Multitasking auf Tablets sei kein Vergleich zu dem, was man bei der Arbeit an einem 300 US-Dollar Netbook erwarten könne – zumindest, was die Erfahrungen des Autors im Bezug auf iOS angeht.
Bei Android Honeycomb bereitet es jedenfalls keinerlei Probleme, Dateien an E-Mails anzuhängen und ist dank integriertem Datei-Browser ebenso machbar wie am Netbook auch. Wer nicht auf “echtes” Multitasking verzichten möchte, sollte auch eher auf Android als iOS zurückgreifen – hier laufen die Apps nämlich tatsächlich parallel weiter, was allerdings auch Nachteile im Bezug auf Performance und Akkulaufzeit birgt. Überhaupt will mir der wirkliche Nutzen von Multitasking gegenüber Backgrounding nicht so recht einfallen.
Auch ist es für mich schleierhaft, aus welchen Gründen man am Netbook bzw. Tablet mit übermäßig vielen Browsertabs und anderen Anwendungen gleichzeitig arbeiten wollen würde – das neue Grid10 Tablet bietet allerdings eine solche Funktion zur Auftrennung des Bildschirms in 2 separate Bereiche, wenn man dies denn wirklich benötigt. Ein Netbook unter Windows ist zudem alles andere als belastbar und stabil, womit wir auch schon (oder endlich?) beim dritten und letzten Punkt wären:
3. Laptops und Netbooks eignen sich besser zum Arbeiten als Tablets
Laptops erfüllen rechenintensive und anspruchsvolle Aufgaben in vielen verschiedenen Bereichen, besitzen weitaus mehr Schnittstellen und sind im Allgemeinen auch vielseitiger als Tablets. Ich würde Laptops dementsprechend in der Frage außen vor lassen, da sie andere Zwecke erfüllen als Tablets und Netbooks und in der Regel auch – wenn sie zum Arbeiten genutzt werden sollen – weitaus mehr kosten und unhandlicher sind als Tablets und Netbooks.
Netbooks und Tablets hingegen erfüllen in etwa die gleichen Aufgaben. Dazu gehören Kommunikation über Skype und andere Instant Messenger, Surfen, Office-Funktionen und nebenbei das gesamte Multimedia-Paket. Anforderungen sind ein möglichst kompaktes Design, eine angenehme Bedienung und eine gute Akku-Laufzeit.
Es gibt gewiss einige Punkte, weshalb Netbooks für viele besser geeignet sind, als Tablets. Netbooks besitzen bereits eine integrierte Tastatur, laufen in der Regel unter Windows und bieten dem Nutzer daher eine bekannte Oberfläche mit mehr Möglichkeiten im Multitasking.
Was mir aber sauer aufstößt ist folgendes Statement aus dem Artikel:
“I also can’t seem to grok the value in spending half a grand on something with a souped-up mobile OS. “
Zu gut deutsch: Er könne es nicht nachvollziehen, 500 US-Dollar in ein zusammengekochtes mobiles OS zu investieren. Wer mal ein Einsteiger-Netbook unter Windows 7 genutzt hat, wird wissen, dass dies wohl eher auf Windows 7 Netbooks als auf alles andere zutrifft.

Gute Netbooks bzw. dann schon eher handliche Subnotebooks gibt es natürlich auch, selbstverständlich zu entsprechend hohen Preisen. Die Mehrzahl “brilliert” jedoch mit geringer Akkulaufzeit, schlechter Performance, schlechter Verarbeitung und somit geringer Lebenserwartung sowie einem mangelhaftem Display. Die Kosten sind mit 300 US-Dollar zudem auf der Höhe so mancher Android-Tablets, sodass das Preisargument hier nicht zieht.
Nicht nur, dass Android Tablets hier ein IPS-Panel mit hoher Auflösung bieten – etwas, was man im Netbook-Sektor vergeblich suchen wird. Für mich ist das Problem bei Netbooks ein fehlendes geeignetes OS. Windows ist schlichtweg zu ressourcenhungrig und erfordert mindestens 2GB RAM, um anständig zu laufen und sowohl Chrome OS als auch MeeGo sind für viele Nutzer viel zu rudimentär und beschränkt.
Meiner Meinung nach bieten Tablets im Vergleich zu Netbooks das bessere mobile OS zum Arbeiten für unterwegs, längere Akkulaufzeiten, bessere Performance und definitiv auch die bessere Display-Qualität, wenn es um das Betrachten von Dokumenten und anderen Medien geht. Abgesehen davon sind sie handlicher als Netbooks, auch wenn die fehlende Tastatur ein nicht zu unterschätzender Nachteil ist. Wenn ich aber sehe, was da auf dem Netbookmarkt im Bereich bis 300 Euro geboten wird, denke ich eher, dass dort Modernisierungsbedarf besteht.
Doch genug von meiner Seite – wie seht ihr das? Sind Tablets wirklich Alternativen zu Netbook und Laptop oder doch nur übergroße Smartphones?

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