Als “Zelda – Ocarina of Time” für das N64 rauskam, verbrachte ich Wochen vor meiner Konsole um wirklich alles gesehen zu haben. Mittlerweile ist das Jahr 1998 jedoch schon längst verflogen und auch mein N64 steht eingemottet im Keller neben meiner Playstation 1. Aufgrund der momentanen Spieleflaute was Android-Games angeht, habe ich dann mal einige Emulatoren ausprobiert um längst vergessene Zeiten neu aufzuleben. Ob das funktioniert hat, wo Probleme bestehen und wie hoch der Spaßfaktor auf dem Touchscreen ist, möchte ich euch hiermit näherbringen.
Der richtige Emulator
Das Wichtigste beim Retrozocken ist natürlich der Emulator. Er gaukelt dem Spiel vor, es würde auf der Konsole laufen.
Sucht man im Play Store, wird man viele verschiedene Emulatoren für die selben System finden, teilweise mit anderen Features und anderen Fehlern. Da zu bezahlende Emulatoren keine Alternative für mich waren, begrenze ich das Ganze auf wenige, frei verfügbare und kostenlose Apps.
Rechtliches
Auch hier muss ich warnen, dass illegal heruntergeladene Spiele kein Kavalliersdelikt sind. Wenn ihr im Besitz der Originalkonsolen und der Spiele seid, befindet ihr euch zumindest in der rechtlichen Grauzone. Wer jedoch nicht im Besitz der Konsolen/Spiele ist, macht sich eindeutig strafbar. Pokefans.net hat, trotz des vielleicht gerade für die Älteren abschreckenden Namens, einen sehr guten Bericht zum Thema online gestellt. Es heißt darin zwar, dass der Bericht einzig für Gameboy-Geräte zählt, allerdings lässt er sich ohne Abänderung auch auf andere Konsolen übertragen.
Bei einigen Emulatoren wird das BIOS des emulierten Systems (GBA, PSone) nicht mitgeliefert damit der Emulator eine gewisse legale Basis hat. Somit müsst ihr im Besitz eines solchen BIOS sein, um ROMs überhaupt abspielen zu können. Fragen, woher ihr diese bekommt, können aus rechtlichen Gründen nicht beantwortet werden. Über verschiedene Suchmaschinen werden allerdings illegal solche BIOS angeboten.
N64-Emulatoren
Zu allererst habe ich mich für den “N64 Emulator” entschieden. Nach der Installation fielen mir als erstes die schiere Masse an Google-Ads und der Werbeapp, die sich mitinstalliert, auf. Dadurch wurde mein System spürbar ausgebremst, zumal ich in regelmäßigen Abständen Werbeanzeigen bekam.
Daher testete ich “Mupen64Plus AE”. Dieser überraschte mich positiv damit, dass er keinerlei Werbung beinhaltet und völlig kostenlos ist. Allerdings musste ich im Gegensatz zum “N64 Emulator” in den Standardeinstellungen Grafikfehler entdecken. Ob das in allen Spielen der Fall ist, kann ich abschließend nicht beurteilen. Nach einigen Einstellungen im Menü waren diese jedoch behoben.
Performance
Auf meinem Nexus 7 mit Tegra-3-Chipsatz lief das Spiel mit Fullspeed. Einzig im Menü mancher Roms kam es zu kurzen Verzögerungen. Insgesamt hat ich aber durchgängig 30 Bilder pro Sekunde. Selbst auf Smartphones mit Adreno-205-GPU, welche nur eine geringe Leistung aufweisen, sind N64-Roms spielbar.
Playstation 1-Emulatoren
Da Sonys Xperia Play-Geräte teilweise PSone-Spiele unterstützen und mit einem vollwertigen Gamepad ausgestattet sind, ist diese Kompatiblität ein Alleinstellungsmerkmal des Xperia Play. Findige Entwickler haben aber natürlich auch hier Emulatoren entwickelt, mit denen sich Metal Gear Solid und Konsorten spielen lassen. Sony hat jedoch erzwungen, dass solche Emulatoren aus dem PlayStore geworfen wurden und werden. Allerdings finden sich diese im Internet als APK zum Download. Besonders populär sind “PSX4Droid” und “FPSe”. Beim “PSX4Droid” fiel allerdings im Test auf, dass Speichern nicht möglich war. Es handelt sich leider um einen Bug, der bis zum Testschluss nicht behoben wurde.
Performance
Playstation-1-Spiele sind von Haus aus hardwarehungriger. Das merkt man schon an der Größe der Spiele die mit teilweise 1 Gigabyte für damalige Verhältnisse sehr groß waren. Dementsprechend laufen Spiele hierfür nur teilweise wirklich flüssig. Während grafisch einfach gehaltenere Spiele hier kein Problem darstellen, laufen Spiele wie “Blood Omen: Soul Reaver” nur mit 15 Bildern pro Sekunde. Im Gegensatz zum N64-Emulator sind PSone-Emulatoren also nur bedingt zu empfehlen, selbst mit Tegra3-Chipsatz.
Gameboy Advance-Emulatoren
Gameboys waren ein nicht wegzudenkender Teil in meiner Kindheit. Jeder in meinem Freundeskreis hatte zusätzlich mindestens ein Pokemonspiel, sodass wir auch hier unzählige Stunden mit dem Leveln unseres Gluraks verbrachten. Mit “GameBoid”, welches ebenfalls nicht im PlayStore vertreten ist, habt ihr einen vollfunktionsfähigen GBA-Emulator komplett kostenlos. Da dieser problemlos funktioniert, musste auch nicht auf Emulatoren wie “Mojo GBA” zurückgegriffen werden, welcher bei einigen Geräten wohl doch größere Probleme verursacht und daher auch nur ein mäßiges Rating erreicht.
Performance
2D-Spiele zu emulieren stellt für moderne Android-Geräte (Tablets wie Smartphones) keinerlei Probleme da. Weder Fehler noch Verzögerungen fielen auf. Des Weiteren ist der hier ausprobierte 2D-Emulator auch recht akkuschonend.
Super Nintendo (SNES)-Emulatoren
Mit “Snesoid” bietet yongzh einen kostenlosen SNES-Emulator an, der mit einer großen Funktionalität punkten kann. Die typischen Speichermodi wie Quicksave und das normale Speichern in verschiedenen Slots stellen daher kein Problem da. Auch dieser ist leider nicht im Play Store erhältlich, aber im Internet leicht zu finden und sogar bei Chip.de erhältlich.
Performance
Auch SNES-Emulatoren bieten volle Funktionstüchtigkeit bei vergleichsweise wenig Hardwarehunger. So wurden alle Roms in Fullspeed ohne Grafikfehler oder andere Bugs dargestellt.
Nintendo DS-Emulatoren
Auch für das Nintendo DS wurde ein Emulator entwickelt. Dieser ist im Play Store zu finden und nennt sich nds4droid. Allerdings ist das Projekt noch nicht sehr weit fortgeschritten, was man vor allem an der schlechten Performance vieler Spiele erkennen kann. Unglücklicherweise besitze ich auf dem NDS auch nur Metroid Prime Hunter, weswegen ich auch nur dieses testen konnte. Ob andere Spiele besser funktionieren, kann ich daher nicht bestätigen. Durch die unvorteilhafte Eingabemethode der Kombination zwischen virtuellen Tasten und Touchscreen gibt es ebenfalls Probleme.
Performance
Die Framerate befindet sich meist im einstelligen Bereich, und einige Eingaben gestalten sich durch das Touchpad des NDS in Verbindung mit den emulierten Tasten zu kompliziert, da sie kombiniert nicht verwendbar sind momentan.
Fazit
Bedingt durch die Spieleflaute, die momentan für Android-Tablets herrscht, sind Emulatoren eine gelungene Abwechslung nicht nur für Nostalgiker. Von manchen Emulatoren sind zurzeit noch abzuraten, da Bugs das Spielgefühl teils erheblich beeinträchtigen. Am besten probiert ihr eure Roms jedoch auf den Emulatoren aus, da nicht jedes Spiel zwangsläufig eine so gute/schlechte Performance wie im Special bietet. Einen Blick ist es alle mal wert!
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