HP-Hardware-Chef Bradley: “Nicht jeder versteht unsere neue Strategie sofort.”
Viele Gerüchte und Spekulationen wurden in den letzten Wochen um HP laut und nicht nur die Nutzerschaft zeigte sich irritiert nach der totalen Aufgabe des HP TouchPad 49 Tage nach dem Verkaufsstart. Auch an der Börse musste HP nach den fatalen Verkündigungen für sämtliche WebOS-Geräte pro Aktie um knapp 33 Prozent federn lassen. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche rechtfertigte sich nun Todd Bradley, seines Zeichens Chef des Hardware-Sektors bei HP und ließ verlauten dass man bei HP definitiv weder den Hardware-Sektor noch WebOS aufgebe.

Die Ausführungen Bradleys klingen dabei bisweilen recht hochtrabend. Nicht nur, dass Bradley auf die Frage, ob nicht die Aufgabe der WebOS-Geräte nicht dem Glaubensverlust an das WebOS selbst gleichkomme, HP sogar prompt mit Microsoft verglich, da diese ja trotz des Erfolges von Windows keine PCs herstellten. Dass dieser Vergleich aufgrund des enormen, bereits vorhandenen Ökosystems von Microsoft mit zahllosen Hardware-Partnern im Vergleich zu der absolut mangelnden Begeisterung irgendeines Unternehmens für das WebOS ein wenig arrogant klingt, ist den Kritikern kaum zu verdenken.
Selbst den direkten Vergleich mit den anderen großen Tablet-Herstellern fürchte man nicht, man spiele weiterhin eine große Rolle auf dem Tablet-Markt und werde diese Position auch in Zukunft beibehalten. Weiterhin sei der Konzern durchaus gewillt, Tablets zu bauen, nur eben nicht mit WebOS. Und – man wolle weiterhin WebOS-Geräte auf den Markt bringen, nur eben nicht selber herstellen.
Die Investoren scheinen nicht recht überzeugt: Nach der Ankündigung der Neuausrichtung stürzte die Aktie von fast 35 Dollar ab und dümpelt jetzt bei 23 Dollar.
Das ist leider wahr. Nicht jeder versteht unsere neue Strategie sofort. Aber wir arbeiten intensiv daran, das zu ändern.
Insgesamt klingt das gesamte Interview so, als habe die Presse die Sprecher von HP durchweg falsch verstanden, es ist die Rede von “Missverständnissen” und “Fehlinterpretationen” seitens der Nutzerschaft und auch der wirtschaftlichen Klienten, die eben zu besagten Einstürzen an der Börse geführt hätten. Ob man ihnen dies verübeln kann ließ Bradley offen, sagte jedoch aus, dass ausreichend Gespräche geführt wurden, um das Vertrauen der Klienten in das Unternehmen zu stärken.

Die Zukunft von HP?
Konkret sieht es bei HP nun so aus, dass die gesamte Hardware-Sparte vom Rest des Unternehmens getrennt werden wird und Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Todd Bradley auch hier wieder den Vorsitz übernehmen wird. Während also HP weiterhin WebOS unterstützen will und sich hierzu wahrscheinlich nach anderen Hardware-Partnern umsieht, wird das neue HP-Hardware-Unternehmen vielleicht demnächst Windows oder Android-Tablets herstellen.
Ehrlich gesagt denke ich nicht, dass das WebOS mit dieser Strategie bessere Chancen haben wird als zuvor – wieso sollte schließlich ein anderes Unternehmen Geld in das WebOS investieren, welches HP zuvor noch selbst nicht mehr in seinen eigenen Geräten einsetzen wollte? HP Tablets unter Windows 8 oder Android hingegen dürften aufgrund der nach wie vor hohen Reputation von HP im Laptop und PC-Sektor durchaus Abnehmer finden, schließlich war die Hardware des HP TouchPad sicherlich nicht das Kriterium, weshalb das HP TouchPad sich nicht verkaufen ließ.
Jedoch kann Bradley so viel verkünden und behaupten wie er möchte, dass Scheitern des WebOS ist keine “Fehlinterpretation”, sondern das Ergebnis miserablen Marketings, welches HP selbst zu verschulden hat.


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